Enuresis: Beim Bettnässen wird zwischen dem Einnässen tagsüber (Enuresis diurna) und dem nächtlichen Einnässen (Enuresis nocturna; Nykturie) unterschieden; dabei kommen auch kombinierte Formen vor. Weiterhin unterscheidet man eine primäre - das Kind war noch nie dauerhaft trocken - und eine sekundäre Enuresis, bei welcher das Kind wieder einnässt, nachdem es bereits dauerhaft trocken war. Aber das Bettnässen betrifft keineswegs nur Kinder, selbst Erwachsene sind davon betroffen. Psychologisch gesehen spricht man korrekt erst dann von Bettnässen, wenn ein Kind jenseits des 5. Lebensjahres (sowie geistigem Intelligenzalter von 4 Jahren) über mindestens 3 Monate 2-mal pro Monat (einmal bei älteren Kindern) die Symptomatik des Einnässens zeigt.

Primäre Enuresis

Bei der primären Enuresis wird von einer konstitutionellen Entwicklungsverzögerung des Kindes ausgegangen. Diese Form des Einnässens kann auch familiär gehäuft auftreten. Psychische Probleme werden bei der primären Enuresis eher als eine Folge der Störung betrachtet - nicht als die Ursache.

Eine wichtige Rolle beim nächtlichen Einnässen spielt dabei das antidiuretische Hormon (ADH, Vasopressin), das den Wasserhaushalt im Körper steuert und so auf die Blasenfüllung wirkt. Normalerweise wird dieses Hormon von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) in einem tageszeitlich abhängigen Rhythmus ausgeschieden, der dafür sorgt, dass sich die Blase nachts weniger füllt. Diese hormonelle Regulation kann bei der primären Enuresis nocturna gestört sein. Auch das Zusammenspiel zwischen Kontrolle der Blase und der Schlaftiefe ist dabei noch unterentwickelt.

Eine primäre Enuresis nocturna ist gekennzeichnet durch:
  • tiefen Schlaf
  • schwere Erweckbarkeit bei normalem Schlafverhalten
  • häufiges Einnässen mit großen Urinmengen
  • hohe Einnässfrequenz
  • seltene psychische Begleitsymptome
Sekundäre Enuresis

Bei der sekundären Enuresis spielen wahrscheinlich psychische Ursachen die Hauptrolle. Einnässen kann ein unbewußtes Signal sein: "Etwas stimmt nicht". Näßt ein Kind wieder ein, nachdem es lange trocken war, lassen sich oft unerwartete Veränderungen im Leben des Kindes finden, die es verunsichern. Dies können die Geburt eines Geschwisterkindes, der Verlust eines Familienmitgliedes, Streitigkeiten in der Familie, ein Trennungserlebnis oder ein Umzug sein.

Bei der sekundären Enuresis nocturna finden sich:
  • ein Rückfall nach einer trockenen Periode von mindestens 6 Monaten
  • häufig psychische Begleitsymptome
Die Formen der Enuresis können mit den Zeichen einer gestörten Blasenfunktion kombiniert sein. Diese kommen besonders bei der Enuresis diurna vor. Auch sollte auf seltene Formen der Blasenentleerungsstörungen geachtet werden. Die Abgrenzung zwischen einer Enuresis und einer Harninkontinenz erfolgt abhängig von der Symptomatik. Beruht der ungewollte Harnabgang überwiegend auf körperlichen Ursachen mit struktureller, neurogener oder funktioneller Blasendysfunktion, dann spricht man von einer Harninkontinenz. Eine Blasenfunktionsstörung kann sich je nach Ursache durch ganz verschiedene Symptome bemerkbar machen, u. a. durch:
  • häufiges Wasserlassen
  • Einsatz von "Haltemanövern", z. B. Aneinanderpressen der Oberschenkel, von einem Bein aufs andere hüpfen, Hockstellung
  • ungewollter Harnabgang bei starkem Harndrang
  • stakkatoartiges Wasserlassen mit unvollständiger Blasenentleerung
  • Inkontinenz bei abdomineller Anspannung, wie beim Husten oder Niesen
  • Giggle-Inkontinenz (Enuresis risoria) mit kompletter Blasenentleerung beim Lachen
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