background Hände

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie entstand auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen der psychologischen Bedingung, die für den Erwerb und die Veränderungen von Verhalten verantwortlich sind. Das Verhalten wird erlernt durch entsprechende Erfahrungen von Erfolg und Misserfolg. Dabei kann das Verhalten auch konditioniert werden, so dass auf einen bestimmten Reiz eine bestimmte Reaktion folgt.

Die Verhaltenstherapie arbeitet auf der Grundannahme, das jedes Verhalten nach gleichen Prinzipien erlernt, aufrecht erhalten und auch wieder verlernt werden kann. So versteht sie psychische Erkrankungen als das Resultat von unerwünschten konditionierten Verhaltens- und Denkmustern. In der Therapie werden Prozesse in Gang gesetzt, bei denen die Patienten lernen ihr Verhalten selbst aktiv zu verändern und alte Muster zu durchbrechen. Dazu müssen diese zunächst als hinderliche Verhaltens- und Denkmuster erkannt und verstanden werden.
Hauptziel ist, dass der Patient sein eigener Therapeut wird.

Zu den eingesetzten therapeutischen Medien gehören die Psychoedukation, das Aufzeigen hinderlicher und das Vermitteln adäquater Denk- und Verhaltensweisen, Rollenspiele, Systematische Desensibilisierung oder Reizkonforntation (v.a. bei der Behandlung von Ängsten oder Zwängen, das Erkennen von Früwarnzeichen und entspechendes adäquates Reagieren, vorbeugende Maßnahmen, ggf. das Einbeziehen von Angehörigen, Soziales Kompetenztraining.

Das Biofeedback zählt zu den operanten Verfahren der Verhaltenstherapie. Weiterhin wird oft empfohlen ein Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation zu erlernen, um aktiv zur Stressreduktion beizutragen. Verhaltenstherapie kann in Gruppen oder im Einzelsetting angeboten werden.

Verhaltenstherapie im Rahmen der Behandlung von AD(H)S:

Psychotherapeutische Behandlungsmethoden gelten als ein wesentlicher Bestandteil im Rahmen der multimodalen Therapie. Zielsetzung ist dabei, eine möglichst angemessene Kompetenz im Umgang mit den AD(H)S-Besonderheiten und -Problemen zu erwerben.

In der Therapie von Kindern mit AD(H)S richten sich die Therapieziele oft auf eine Verbesserung der Selbststeuerung. Die Kinder oder Jugendlichen lernen durch Coaching, Selbstinstruktionstraining oder Selbstmanagement-Methoden selbst Einfluss auf sich und ihr Verhalten zu nehmen. Auch das Soziale Kompetenztraining kann ein wichtiger Baustein sein. Das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen soll gestärkt werden.

Gerade bei jüngeren Kindern aber auch bei Jugendlichen hat sich als ausgesprochen sinnvoll erwiesen, die Eltern in die Therapie mit einzubeziehen. Hier kommt das sogenannte Elterntraining zum Einsatz, bei welchem die Eltern in Beratungsgesprächen problematische Situationen aus dem Alltag schildern können. Der Therapeut oder Elterntrainer gibt dann entsprechende Hilfestellungen und Tipps, die sich nah an den Theorien des Operanten Konditionierens orientieren. Hierzu zählen z.B. Token-Programme, also ein Lernen durch Belohnung, so dass erwünschtes Verhalten verstärkt wird. Außerdem bekommen die Eltern informationen zum klaren Vermitteln von Aufforderungen, zum Aufbau fester Regeln und zum Umgang mit Problemverhalten.

Im Erwachsenenalter fehlen bisher Untersuchungen, die einen Wirkungsnachweis der Psychotherapie bei AD(H)S zeigen. Derzeit laufen jedoch Forschungen, die unter anderem ein spezielles Fertigkeitentraining bei AD(H)S-Erwachsenen untersuchen. Es ist zu erwarten, dass auch bei Erwachsenen verhaltenstherapeutische Therapieangebote wirksam sind. Doris Ryffel-Rawak, die in der Schweiz hauptsächlich mit erwachsenen Betroffenen arbeitet, sieht die Verhaltenstherapie allerdings zumindest bei Erwachsenen, neben medikamentöser Einstellung und Coaching, als wesentlich zur Behandlung mittel bis schwer Betroffener an.

[zurück]