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Borderline-Syndrom

Der Begriff "Borderline" ist der englischen Sprache entlehnt und bedeutet Grenzlinie. Bei der nicht einheitlich definierten Erkrankung handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung, die sich zwischen Psychose und Neurose, also im Grenzbereich beider Erkrankungen, bewegt. Entsprechend weisen die Patienten die Anzeichen vieler anderer psychotischer und neurotischer Krankheiten auf. Die Borderline Persönlichkeitsstörung ist eine Unterform der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung.

Unter der Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden häufiger Frauen als Männer.

Symptome:

Ein wichtiges Anzeichen der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist die Angst - nicht die "normale" Angst, die sich auf eine bestimmte Sache bezieht, sondern eine diffuse und in der Intensität schwankende Angst, die nicht konkretisierbar ist und die die Betroffenen ständig begleitet. Die meisten Borderline-Patienten geben diese Angst aber auch auf Nachfrage nicht zu. Erst wenn sie sich von ihrem Therapeuten angenommen fühlen, sind sie dazu in der Lage.

Da das Borderline-Syndrom zwischen Psychose und Neurose angesiedelt ist, weisen die Patienten außerdem eine Reihe von Symptomen auf, die aus dem Bereich beider Erkrankungen bekannt sind.

In Komorbidität treten nicht selten Depressionen, Phobien, Zwänge, psychosomatische Beschwerden oder das sog. selbstverletzende Verhalten (SVV) hinzu. Unter letzterem werden aggressive Handlungen gegen sich selbst zusammen gefasst. Häufig findet sich das Schneiden oder Ritzen, das Verbrennen mit Zigaretten. Die Betroffen geben an, hierdurch einer inneren Leere entgegenwirken zu wollen bzw. sich spüren zu wollen.

Einige Betroffene konsumieren übermäßig Alkohol oder entwickeln eine Drogenabhängigkeit. Drogenmissbrauch soll dazu dienen, die allgegenwärtige Angst zu betäuben. Es handelt sich also um eine Art "Selbsttherapie" mit gefährlichen "Nebenwirkungen", die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.

Die Sexualität von Borderline-Patienten ist oft gestört. Da sich die Erkrankung v. a. in Störungen zwischenmenschlichen Beziehungsverhaltens zeigt, können oftmal keine stabilen Partnerschaften eingegangen werden. Menschen werden grundsätzlich in gut und böse aufgeteilt (Splitting). Dies spiegelt sich ebenfalls in einem Schwarz-Weiß-Denken wider, das keine "Graustufen" zulässt.

Gegenüber ihrer Umwelt verhalten sich Borderline-Patienten häufig antisozial. Sie isolieren sich, denn sie fürchten sich vor Nähe, und sie neigen zu Wutausbrüchen und Feindseligkeit. Möglich sind ferner hysterische Zustände. In extremen Situationen treten Selbstentfremdungs phänomene wie Derealisation oder Depersonalisation auf.

Ursachen:

Die Gründe für eine Borderline-Erkrankung liegen vor allem in der Kindheit der Betroffenen. Dabei spielt vor allem früh erlebte, massive psychische oder physische Verletzungen eine Rolle. Diese können in Form von Vernachlässigung, körperlicher Gewalt oder im extremen Fall durch sexuellen Missbrauch erfolgt sein. Die daraus resultierenden Traumatisierungen, Ängste und auch Aggressionen werden dann oft in Autoaggression umgewandelt.

Nicht selten findet sich in der frühen Kindheit der Verlust einer wichtigen Bezugsperson (meist der Mutter), die aus verschiedenen Gründen abwesend sein kann, z. B. weil sie tatsächlich nicht anwesend ist. Aber auch bei Müttern die selbst psychisch krank oder drogenabhängig sind kann oft keine adäquate, liebevolle und zuverlässige Versorgung und Umsorgung des Kindes erfolgen.

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